Jahresrückblick 2015 der Ortgruppe Mainstockheim

Neben Wasser, Luft und Boden stellt die Artenvielfalt eine wichtige Ressource unserer Erde dar. Für funktionierende Ökosysteme ist der Erhalt der Arten entscheidend, denn über die Nahrungskette und als Puffer im kommenden Klimawandel sind die Lebewesen aufeinander angewiesen.

Die Artenvielfalt nimmt auch in unserer Region stark ab. Über den Verlust von Tier- oder Pflanzenarten kann der Artenreichtum einer Region bestimmt werden, der als Gradmesser für die Biodiversität gilt. Biodiversität beschreibt, wie viele Arten in einem bestimmten Raum beobachtet werden, jedoch nicht, wie häufig die Einzelindividuen einer Art vorkommen. Biodiversität spielt eine herausragende Rolle für die Ökosystemfunktionen. Zu diesen Funktionen zählen zum Beispiel die für uns überlebensnotwendige Reinigung von Gewässern und der Luft. Der Verlust einer Art erscheint auf den ersten Blick vielleicht verschmerzbar. Da aber jede Art eine bestimmte Aufgabe in einem hochkomplexen System übernimmt, sind die Folgen in den wenigsten Fällen abschätzbar.

Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt sind für Mainstockheim eine intensive land- und weinbauliche Nutzung, Zerschneidung und Zerstörung der Landschaft, die Versiegelung von Flächen sowie Stoffeinträge. Im Siedlungsbereich wirken sich Verluste an naturnahen Flächen und die Aufgabe dörflicher Strukturen durch Bebauung und Flächenversiegelung negativ aus. Die Aufgabe vieler landwirtschaftlicher Kleinbetriebe und die Zentralisierung und Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung seit den 1970er-Jahren in Mainstockheim hat einen erheblichen Anteil am Rückgang von Pflanzenarten in der Gemarkung, in den Heckenstrukturen und den Feldrainen (wenn sie die Flurbereinigung überleben durften). Die Gründe für den Rückgang von Biodiversität sind vielfältig, zum Beispiel die starke Zufuhr von Mineraldünger und Gülle, die immer mehr zunehmende Anwendung von Unkrautbekämpfungsmitteln und Chemie in Landwirtschaft, Garten und Weinbau, frühe Mahd von Getreide zur Nutzung als Biogasmaterial zur Brutzeit von Bodenbrütern wie Feldlerche und Wachtel, Entwässerung von Feuchtwiesen, der Umbruch oder Verbauung von Grünland und die Beseitigung von Hecken und Weinbergsböschungen. Die Folgen sind eine Monotonie auf den Äckern und in den Weinbergslagen, in denen vielfältige Pflanzen- und Tierarten kaum noch zu finden sind.

Derzeit ist im Zuge des Biomassebooms und der Verteuerung landwirtschaftlicher Produkte ein weiterer Intensivierungsschub der landwirtschaftlichen Nutzung zu beobachten, was mit zunehmendem Maisanbau und der Einführung neuer Energiepflanzen wie Chinaschilf verbunden ist.

Die Extensivierungsbemühungen des BN hin zu einer kleinbäuerlichen, sozioökonomischen und ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft werden damit zunichte gemacht.

Die Ortsgruppe Mainstockheim hat 2015 eine Reihe von Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung von Biodiversität in unserer Heimat durchgeführt. Vor allem sind wir froh, dass wir die ehemalige Fischteichanlage im Loh ankaufen und als wichtigen Landschaftsbestandteil sichern konnten.

Im Teichbecken hat sich mittlerweile ein umfangreicher Röhricht-bestand entwickelt, der als Lebensraum und Bruthabitat einer umfangreichen und ökologisch wertvollen Amphibien- und schilfbewohnenden Avifauna dient. Der sich nach der Aufgabe der Fischhaltung umfangreich entwickelte Strauch- und Baumbestand wurde im Frühjahr mit Hilfe des Einsatzes von geflüchteten Menschen entfernt. Für 2016 stehen noch die Entwicklung von mehreren kleineren Laich-gewässern, eine Teilflutung des Hauptteiches und damit die Abdichtung der talseitigen Böschung an.

Für 2015 ist auch das erste Mal das von der OG Mainstockheim entwickelte Heckenpflegekonzept zur Anwendung gekommen. Das Heckenpflegeteam mit Dieter Henftling, Friedrich Popp und Klaus Petter hat sich vor allem der schwer geschädigten Hecke entlang der Transportstraße angenommen. Diese artenreiche, aber durch falsche Pflege frühzeitig vergreiste Hecke wurde abschnittsweise "auf den Stock gesetzt", um neue Strukturen zu formen und eine Verjüngung der Hecke zu erreichen. Das Heckenpflegekonzept wird 2016 in anderen biotopschutzkartierten Bereichen fortgesetzt.

Für den Erhalt und die Förderung von Artenvielfalt in Mainstockheim ist der Gesamtbestand von ca. 350 Streuobsthochstämmen ein unverzichtbarer Bestandteil. Es sind die alten Streuobstbestände, die wahre Schätze beherbergen: Seltene und rar gewordene Obstsorten, die hier z.T. nur noch regional begrenzt vorkommen. Über 30 Apfel- und 10 Birnbaumsorten sind in unseren Obstbeständen heimisch. Alte Obstbäume bieten vielen Tier- und Pflanzenarten, wie Gartenrotschwanz, Grünspecht, Fledermäusen, seltenen Insektenarten, Wildbienen, Pilzen und Flechten, einen Lebensraum. An alten, strukturreichen Obsthochstämmen können bis zu 400 Tierarten vorkommen!

Durch fehlenden oder nicht fachgerechten Schnitt, ausbleibende Nachpflanzung und unsachgemäße maschinelle "Bearbeitung" angrenzender Landwirte, sind solche Bestände hochgradig gefährdet. Mit der ehrenamtlichen Pflege dieser Obsthochstämme wollen wir die Sortenvielfalt sichern und die Streuobstbestände als wertvollen Lebensraum für Fauna und Flora erhalten.

Neben umfangreichen Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen wie die alljährliche Mahd und der Schnitt an den Obstbäumen auf den BN-eigenen und gemeindeeigenen Grundstücken, sind junge Obsthochstämme im Loh gepflanzt worden. Hierzu konnten Schüler/Innen der Mittelschule Kitzingen im Rahmen eines Praxisunterrichtes angeleitet werden.

Die Kindergruppe des BN Mainstockheim-Buchbrunn unter der Leitung von Marion Baden ist mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil des öffentlichen Lebens in Mainstockheim geworden. Wie die regelmäßigen Besuche unserer "Naturrancher" auf unserem Grundstück im Freizeitgelände beweisen, sind das Interesse an natürlichem Erleben und das spielerische Erfahren von ökologischen Zusammenhängen groß und notwendige Erfahrungen im jungen Leben unserer Kleinen.

Wir bedanken uns für eure Arbeit, liebe Marion Baden und Tanja Schmidt. Und für das abgelaufene Jahr bedankt sich die Ortsgruppe auch recht herzlich bei allen unseren Mitgliedern und der Gemeinde Mainstockheim für die aktive und passive Unterstützung. Auch 2016 gilt für uns die Devise: Ortsgruppe Mainstockheim, für Mensch und Natur aktiv!

Klaus Petter